Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme
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Programm - Workshops

Die vier Workshops A bis D dauern jeweils 80 Minuten und finden parallel zu folgenden Zeiten statt:

I. Durchgang: Freitag, 23.02.2018, 18.10-19.30 Uhr
II. Durchgang: Samstag, 24.02.2018, 11.20-12.40 Uhr
III. Durchgang: Samstag, 24.02.2018, 16.15-17.35 Uhr
IV. Durchgang::Sonntag, 25.02.2018, 09.00-10.20 Uhr

Daher ist für jeden die Teilnahme an jedem Workshop möglich. Die Einteilung der Teilnehmer in die einzelnen Workshops findet bei der Anmeldung statt und wird mit einem Farbsystem kodiert.
Für die Teilnahme an einigen Workshops ist eine bequeme Kleidung empfehlenswert, um bewegungsintensive Körperübungen mit nachvollziehen zu können.

  A   Klangformung im Vokaltrakt: Obertongesang als Chance für Pädagogik und Therapie
Obertonsingen mit Kindern und Jugendlichen – Eine Gesangskunst, die auf ungewöhnliche Art Gehör und Feinmotorik schult
Wolfgang Saus (Aachen)
   

 

Obertongesang ist eine Gesangstechnik, die so klingt, als sänge eine Stimme zwei Töne gleichzeitig. Der Effekt entsteht, wenn zwei Vokaltraktresonanzen exakt auf einen Oberton des Stimmklangs eingestellt werden. Die Grundlage der Technik kann in wenigen Stunden erlernt werden. Zu Beginn erfolgt die Aktivierung des sogenannten Obertonhörens, einer speziellen Hörweise, die das Innere eines Klangs erfahrbar macht.
Vorteile für Kinder und Jugendliche: Obertonsingen schult eine sehr genaue und unabhängige Kontrolle der Formanten, was sich auf die Feinmotorik der Zunge auswirkt und bei Choristen zur Homogenität im Ensemblegesang beiträgt. Solistisch ambitionierte Kinder erleben kontrollierbare Resonanz. Es ist zu erwarten, dass in frühem Alter erlerntes Obertonsingen und -hören die Intonationssicherheit nachhaltig erhöht.
Vorteile für Stimmbildner: Die Faszination des exotischen Stimmeffekts erweckt schnell das Interesse gesangsinteressierter Jugendlicher. Oft sind sie dann in den Pausen und nach dem Unterricht nicht zu bremsen, ihren eigenen Stimmklang zu erforschen.
Die Teilnehmer lernen im Workshop die Grundtechnik des Obertongesangs mit Schwerpunkt auf spielerischen Methoden zusammen mit einigen anwesenden Kindern und Jugendlichen.

     
     
  B   Vokalmusik von Johann Sebastian Bach – Herausforderung für Stimmtechnik und –bildung
Kopfüber in den Bach!
Henning Voss (Lüneburg)
   

 

Learning by doing! In diesem Workshop werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich singend mit der Musik Johann Sebastian Bachs auseinandersetzen. Unter der Leitung von Henning Voss, der als Sänger und Kirchenmusiker tätig ist, werden einige ausgewählte Chorstücke von Bach erarbeitet. Die Vokalmusik Bachs stellt für Laien ebenso wie für erfahrene Profis in stimmlicher und musikalischer Hinsicht immer wieder eine Herausforderung dar. Als Sängerinnen und Sänger werden wir gemeinsam erleben können, wie man effektiv mit den spezifischen Schwierigkeiten der Bach‘schen Musik umgeht. Dabei soll innerhalb einer Probe aus vielen Menschen, die vorher noch nie zusammen gesungen haben, eine Chorgemeinschaft entstehen. Im Workshop werden stimmtechnische und -bildnerische Belange eine wichtige Rolle spielen - sowohl beim umfangreichen Einsingen als auch im Verlauf der Probe. In einer abschließenden Gesprächsphase soll es einen Erfahrungsaustausch geben über die Frage, mit welchen Mitteln es möglich ist, Kinder und Jugendliche singend an die hochkomplexe Musik Bach heranzuführen.

     
     
  C   'Vocal Impro’- Einführung in die freie Improvisation bis hin zum selbst erfundenen Circle Song im Chor
Kurzweil & Vielfalt – Lass Dich improvisieren!
Claudia Burghard (Hannover)
   

 

Verlasse Deine vertraute „Komfortzone“ des Chorsingens mit festgelegten Melodien und Rhythmen. Wir wollen kollektiv improvisieren. Dafür brauchst Du keinerlei Vorwissen. Alle sind herzlich willkommen - ob Anfänger oder Profi. Eine Reihe von Übungen, die quasi unmerklich zum Improvisieren führen, soll vor allem viel Spaß machen. Lachen ist unbedingt erlaubt, wenn plötzlich so völlig ungewohnte und verrückte Klänge aus jedem Sängermund kommen. Das freie Improvisieren stärkt den Einzelnen in der Gruppe und in der Konsequenz wird die Gruppe zu einem echten Team. Die Wahrnehmung der Mitsänger und die Kommunikation untereinander stehen im Fokus - es entstehen musikalische Dialoge aus dem Moment heraus. Die Teilnehmer erhalten im Rahmen des Workshops die Möglichkeit, durch den Einsatz ihrer Stimme Vertrauen aufzubauen, Klangexperimente und Kreativität zu erleben, zum Zu- und Hinhören angeregt zu werden und die eigene Vitalität und Vorstellungskraft zu spüren. Jede Stimme hat ihren Platz im ''Circle' bzw. Klangkörper. Wir wollen auch Möglichkeiten und Ideen ausprobieren, wie wir chorische Klangwolken bilden können, die z. B. eine Einleitung zu einem Chorstück aus dem gewohnten Repertoire sein könnte. Sphärische Cluster und schwebende Klänge entstehen. Auf Wunsch können wir auch einen Blick zum improvisierten „Scat“-Gesang werfen, bei dem wir uns über eine konkrete harmonische Akkordverbindung hangeln.

     
     
  D   Schwingungsabläufe der Stimmlippen im Populargesang
Reduzierte Klänge im Pop- und Musicalgesang für die Kinderstimme
Prof. Sascha Wienhausen (Osnabrück)
   

 

Mittlerweile wurde die Existenz von partiellen Glottal-Vibrationen sowie unterschiedliche Schwingungsmuster der Stimmbänder als mögliche Gründe für den Verlust der Lautheit bei einigen Singstimmen bewiesen. Die Anstrengung, um populären Gesang, vor allem in der Höhe, zu produzieren, wird hierbei reduziert und das Repertoire wird als angenehmer und leichter empfunden. Der subjektive Eindruck der Stimme ist oft der einer scheinbar vollständigen Popstimme. Im Gegensatz dazu wird der Klangeindruck von Gesangspädagogen als etwas hohl, entkörpert, ungeerdet, nicht unterstützt, abgetrennt, zwischen den „Registern“ und leicht gedämpft beschrieben. Es ist notwendig zu unterscheiden, ob dieser Klang vorsätzlich entsteht oder ob er "unwillkürlich" auftritt. Wenn Stimmen diese Gewohnheit ungewollt beibehalten, können partielle Glottalschwingungen einen negativen Einfluss auf die Intonation haben sowie beim Übergang in untere Register. Kinderstimmen nutzen intuitiv sehr häufig reduzierte Klänge, die im optimalen Falle keine Problematik im Stimmwechsel darstellen. Im ungünstigen Fall wird eine ungenügende Stützfunktion etabliert und die Registerkoordination problematisch. Der „markierte“ Gesang von Chorleitern von Kinderchören kann über Nachahmung ein Stimmideal in diese Richtung etablieren.

Das pädagogische Management von Stimmlehrenden muss sich vor allem auf die Wiederherstellung der freien Schwingung während des Pop-Gesanges im hohen Register konzentrieren. Darüber hinaus ist eine intensive Schulung der akustischen und kinästhetischen Wahrnehmung des Pädagogen notwendig, um sie auf die reduzierte Klangqualität durch unbeabsichtigtes Auftreten von Teilschwingungen aufmerksam zu machen und die Chancen der Registerkoordination über reduzierte Klänge zu nutzen.

     
Bitte beachten Sie: Ton- oder Filmaufnahmen der Veranstaltung - auch für den privaten Gebrauch - sind nicht erlaubt. Fotos sind lediglich zum privaten Gebrauch zulässig. Wir bitten um Verständnis.

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Impressum | Letzte Änderung: 29.10.2017 | Autor: Martin Neef

UNIVERSITÄT LEIPZIG